Wandern im wilden Herzen Englands – über den Offa’s Dyke Path und Pennine Way bis zur schottischen Grenze

Vermutlich gibt es gar nicht so wenig Leute da draußen, die denken, dass Großbritannien nur aus Cornwall und Schottland besteht. Also… zumindest der Teil von Großbritannien, in dem man Urlaub macht. Und dazwischen sind dann eben die ganzen Städte und vielleicht ein bisschen grün und ein paar Schafe, wenn man Glück hat.

Zugegebenermaßen hatte auch ich vor meiner Wanderung ziemlich wenig Ahnung von diesem „dazwischen“. Wales war mir noch ein Begriff, der Lake District auch. Durch beides würde mich meine Route allerdings nicht (wirklich) hindurchführen. Der nicht gerade kleine Teil zwischen dem South West Coast Path und Schottland war eine ebenfalls nicht gerade kleine Unbekannte, die es in den letzten Wochen zu entdecken galt.


Brecon Beacons Nationalpark // Foto von Fräulein Draußen

Nachdem ich die Küste, das Exmoor und die Quantock Hills hinter mir gelassen und ein paar hindernisreiche Etappen rund um Bristol mit dem Zug überbrückt hatte, startete ich in Chepstow meine 12-tägige Reise entlang der englisch-walisischen Grenze. Der Offa’s Dyke Path zählt nicht gerade zu den bekanntesten Fernwanderwegen Großbritanniens – zu Unrecht, wie ich finde!

Von verwunschenen Wäldern und wilden Flusstälern über blühendes Farm- und Heideland bis hin zu kahlen Bergrücken ist alles dabei. Garniert wird das Ganze mit einem kräftigen Hauch Geschichte. Spannende Ruinen wie Tintern Abbey oder White Castle liegen direkt auf dem Weg – und dann wäre da natürlich noch der Namensgeber selbst! Offa’s Dyke, ein historischer Grenzwall, der im frühen Mittelalter im Namen von König Offa errichtet wurde und auch heute noch vielerorts sichtbar ist. Ja, immer wieder führte der Offa’s Dyke Path sogar direkt auf ihm entlang! Inmitten von Wildblumen und knorrigen, alten Bäumen.


Offa's  Dyke Wanderweg // Foto von Fräulein Draußen

Nach einem ausgiebigen Pausentag am endlos weiten Sandstrand von Prestatyn an der Nordküste von Wales machte ich mich anschließend auf den Weg nach Edale, wo das nächste Abenteuer auf mich wartete: Hallo, Pennine Way! Der älteste Fernwanderweg Großbritanniens, dem ein zugegebenermaßen nicht nur positiver Ruf vorauseilt. Von endlosem Gestapfte durch den Matsch ist da die Rede, von Windböen, die einen fast von den kahlen Bergrücken fegen. Von ganz viel schlechtem Wetter, aber auch von noch mehr großartiger Natur und dem ultimativen britischen Wandererlebnis. Und, was soll ich sagen: Alle haben recht! Der Pennine Way ist schrecklich und schön. Vor allem aber schrecklich schön! In einem Moment möchte man vor Glück weinen, und im nächsten Moment, weil man sich verzweifelt fragt, womit man diese Schinderei verdient hat. Aber letztendlich, da überwiegt immer das Glück.


Penine Way Wanderweg // Foto von Fräulein Draußen

Der Peak District, die Yorkshire Dales, die Northern Pennines… unglaublich wilde, weite und wunderbare Landschaften – und das nur einen Katzensprung von Städten wie Leeds oder Manchester entfernt! 429 Kilometer mitten durch England, ohne das Gefühl zu haben, mitten in England zu sein. Das ist doch verrückt!


Peak District Nationalpark // Foto von Fräulein Draußen

Gerade habe ich das Gefühl, dass es gar nicht mehr schöner werden kann. Aber wenn einer das schafft, dann Schottland. In drei Tagen werde ich feierlich die Grenze überschreiten. Und England und Wales dabei fest im Herzen verankert mit mir nehmen.

 

Über Fräulein Draußen

Bei Fräulein Draußen geht es um kleine und große Abenteuer. Abenteuer, die jede und jeder erleben kann. Egal ob in den heimischen Bergen oder der weiten Welt. Es geht um die Liebe zur Natur und den Drang nach Freiheit. Es geht um selbstbestimmtes Reisen, egal ob allein oder in Begleitung. Outdoor, Reisen, Wandern, Abenteuer – am besten alles zusammen. Mit viel Begeisterung und ein bisschen Mut. Nicht nur für Fräuleins!

Eigentlich heißt das Fräulein Draußen übrigens Kathrin, ist 28 und kommt aus München. Neben dem Draußensein mag sie Hunde und schlechtes Wetter. Sie studierte zwei Semester Altisländisch. Und ihre Lieblingsfarbe ist grün.

 

Über die Wanderung durch Großbritannien

Kathrin möchte Großbritannien einmal komplett der Länge nach durchwandern – vom süd-westlichsten zum nord-östlichsten Punkt. Von Land’s End nach John o‘ Groats.  Knapp 2.000 Kilometer. 85 Tagesetappen. Das macht im Durchschnitt 22,8352941176 Kilometer pro Tag. Dazu kommen noch die Höhenmeter. Zwischen 80 und 1440 ist alles drin.

Der gängige Name, oder viel mehr die offizielle Abkürzung dieses Vorhabens lautet übrigens LEJoG bzw. JoGLE, je nachdem, ob man die Insel von Süd nach Nord oder umgekehrt durchquert. Wobei diese Abkürzung eigentlich vor allem unter Radfahrern bekannt ist, denn die Insel in ca. 10 – 14 Tagen der Länge nach zu durchfahren ist ein beliebtes Vorhaben unter Britischen Radsportlern.

Zu Fuß machen sich da schon deutlich weniger Menschen auf den Weg, und außerhalb der Grenzen des Königreiches ist diese Fernwanderung sowieso kaum bekannt. Was aber auch daran liegen mag, dass es gar nicht „die eine“ Route gibt. Wichtig ist nur die Durchquerung von Süd nach Nord komplett auf zwei Beinen bzw. zwei Rädern – wie man den Weg dazwischen gestaltet, bleibt einem selbst überlassen.


Hadrians Wall // Foto von Fräulein Draußen

Kathrins Route folgt zu ca. 40% etablierten Fernwanderwegen und versucht wann immer möglich fernab von Orten und Städten zu verlaufen, was das Laufen zwar nicht gerade einfacher, dafür aber umso schöner macht. Auf der Liste stehen unter anderem Teile des South West Coast Path, des Offa’s Dyke Path, des Pennine Way und der West Highland Way.

Mehr Infos und Berichte zu Kathrins Wanderung findet Ihr auch hier auf www.fraeulein-draussen.de. Außerdem könnt ihr auf Facebook, Instagram und Twitter immer live mit dabei sein.