Großbritanniens schönste Seiten: Auf den Spuren von Autoren und Erzählungen

Weltberühmte Autoren und SchriftstellerInnen wie Sir Walter Scott, Agatha Christie oder Charles Dickens prägten das Bild des Vereinigten Königreichs und stehen stellvertretend für das große Kulturerbe, das nicht zuletzt durch Museen bewahrt wird. Andererseits erzählen auch viele zeitgenössische Autoren vom heutigen Großbritannien.

Wir haben hier ein paar Buchempfehlungen, die Lust machen, die Insel lesend zu entdecken.


Armchair Bookshop in Edinburgh, Schottland // Foto © VisitBritain/Olga Chagunava

England und London

Agatha Christie hält mehrere Rekorde: Ihre Kriminalromane verkauften sich mehr als zwei Milliarden Mal – dies schaffte kein anderer Krimiautor. Außerdem hält Christie den Weltrekord als meistübersetzte Autorin und hängt hier sogar William Shakespeare ab. Mit Hercule Poirot und Miss Marple erschuf sie gleich zwei Ermittler von Weltruhm.

In Christies Geburtsort Torquay wird jährlich Mitte September zu ihren Ehren ein mehrtägiges internationales Literaturfestival veranstaltet. Torquay ist eine hübsche Küstenstadt an der Englischen Riviera in der Grafschaft Devon. Die Agatha Christie Mile führt entlang der Seeseite Torquays zu Orten, die mit dem Leben der Autorin verbunden sind. Nicht weit von Torquay kann man auch den einstigen Landsitz der Autorin besuchen: Greenway. Dort spielt der Poirot-Krimi „Wiedersehen mit Mrs. Oliver“, in dem Roman heißt das Anwesen Nasse House.


Agatha Christie // Foto © The Christie Archive Trust

Eine andere weltberühmte englische Schriftstellerin wurde in Hampshire geboren: Jane Austen. In Basingstoke kann man Orte und Landschaften entdecken, die Austen inspirierten. Ihr Geburtshaus steht zwar nicht mehr, doch die schlichte Steventon Church aus dem 12. Jahrhundert, in der Austens Vater Pfarrer war, ist zu besichtigen.

Beerdigt wurde Jane Austen in der 1000 Jahre alten Winchester Kathedrale, genau wie so mancher König und Bischof. Nur 20 Minuten entfernt in Chawton in Hampshire steht das Haus, in dem Austen die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte und wo sie unter anderem „Emma“, „Stolz und Vorurteil“ oder „Mansfield Park“ geschrieben hat. Heute ist das Haus ein Museum.


Chawton House in Hampshire

Die Stadt London ist in vielen der Romane von Charles Dickens wie ein eigener Protagonist. Es gibt ganze Stadtpläne, anhand derer man Dickens’ London durchstreifen kann. Vor allem in „Oliver Twist“, „David Copperfield“ oder „Little Dorrit“ werden etliche Brücken oder Plätze erwähnt. Sehenswert für Fans ist auch das Charles Dickens Museum in London, in dem mehr als 100.000 Ausstellungsstücke wie Manuskripte, Bilder, Bücher und Dinge aus seinem persönlichen Nachlass zu sehen sind.

Wer sich auf die Spuren Dickens begibt, sollte auch einen Abstecher nach Rochester unternehmen. In der Gegend hat der Autor seine Kindheit verbracht. Bei einem Bummel durch die Altstadt von Rochester in Medway wird deutlich, wie sehr ihn diese Gegend inspiriert hat. Plaketten an vielen Häusern weisen daraufhin, wie der Schriftsteller diese Orte in seine Romane eingebaut hat. Und wenn man dem örtlichen Friedhof einen Besuch abstattet, wird man auf so manchem Grabstein Namen entdecken, die Dickens literarisch verwendet hat.


Dreharbeiten zu "David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück" in Bury St. Edmunds, Suffolk
// Foto © Bury St Edmunds and Beyond

Wer es schaurig mag, sollte nach Whitby in North Yorkshire reisen. Dort machte Bram Stoker im Jahr 1890 Urlaub und entwickelte die Idee zu seinem Meisterwerk „Dracula“. Noch heute sehen die Ruinen der mittelalterlichen White Abbey und die St. Mary’s Church ganz ähnlich aus wie damals. In Whitby ließ Stoker den weltberühmten Dracula als Hund an Land springen und die 199 Stufen zur Abtei hinauflaufen – genau das können Besucher heute auch tun. Und wer sich etwas fürchten möchte, kann die Dracula Experience, eine Art Gruselkabinett, besuchen.


Whitby Abbey, North Yorkshire, Nordengland

Kommen wir zu zeitgenössischen Werken. Der in Japan geborene und in Großbritannien aufgewachsene Schriftsteller Kazuo Ishiguro wurde 2017 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. "Was vom Tage übrigblieb" ist sein bekanntester Roman und einer der bedeutendsten britischen Romane überhaupt. Er erzählt auf ergreifende Weise aus dem Leben des Butlers Stevens, der jahrzehntelang für einen Lord auf dem Landsitz Darlington Hall in Oxfordshire gearbeitet hat – pflichtergeben und treu. Nach dem Tod des Lords reist Stevens nach Cornwall und lässt sein Leben Revue passieren. In dem berührenden Buch geht es um Werte des alten Empire wie bedingungslose Loyalität und die Möglichkeiten der modernen Gegenwart auf persönliches Glück.

Eine herausragende Autorin ist Zadie Smith. Die Engländerin lebt mittlerweile überwiegend in New York. Ihre Romane spielen aber oft in London. Immer wieder geht es darin um das multiethnische Stadtleben, Migration und sozialen Aufstieg. Das gilt vor allem für den Roman „London NW“ – das NW steht für den Postcode von Nord-West London. Das Buch erzählt auf experimentelle und tragikkomische Weise aus dem Leben von vier Figuren Anfang 30, die zwar den sozialen Wohnungsbau aus ihren Kindertagen verlassen konnten, sich nun aber erneut am Scheideweg ihres Lebens befinden, weil sie Illusionen aufgesessen oder süchtig sind.


Hampstead im Nordwesten von London // Foto © Laura Leonard

Berühmt wurde Smith mit dem im Jahr 2000 erschienenen Roman „Zähne zeigen“, der ein von der Kritik gefeierter Beststeller wurde. Darin geht es um drei Familien, die unterschiedliche ethnische Wurzeln haben, und im Londoner Stadtteil Willesden leben. Ein unterhaltsamer, zuweilen komischer Roman mit soziologischem Scharfblick.

Wer gern Comics liest, dem dürfte die Graphic Novel „Bloody Mary – das Leben der Mary Tudor“ von Kristina Gehrmann gefallen (erschienen am 2. März 2021). Obwohl die Geschichte der Tochter Heinrich VIII. – jener englische König, der sechsmal verheiratet war, zwei Ehen annullierte und zwei Ehefrauen hinrichten ließ – bekannt ist, ist dieses Buch ein echter Pageturner. Denn hier kann man Mary Tudor als Persönlichkeit entdecken. Mary lebte als Kind getrennt von ihren Eltern aber mit einer höfischen Entourage rund 19 Monate in Ludlow Castle. Durch ihre Entschlossenheit und Beharrlichkeit gelang es der überzeugten Katholikin Mary I. zu werden – die erste Königin Englands aus eigenem Recht, also ohne, dass sie dafür heiraten musste. Historische Fakten werden in dem Comic unterhaltsam präsentiert und man erlebt, wohin der Machthunger Herrschende treiben kann. Der Zeichenstil und die Sprache sind modern, das Cover des Comics erinnert an Brokat. Als Nachfolgebuch ist übrigens eine Graphic Novel über das Leben von Marys Stiefschwester Königin Elizabeth I. geplant.

 

Wales

Roald Dahl ist besonders mit Kinderbüchern wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“ bekannt geworden. Er hat aber auch etliche Drehbücher geschrieben, etwa das für den James Bond-Film „Man lebt nur zweimal“. Dahl, der weltweit mehr als 250 Millionen Bücher verkauft hat, wurde in Cardiff geboren. Die norwegische Kirche, in der die Familie Dahl Messen besuchte, ist heute ein Kulturzentrum. Wer sich auf Dahls Spuren in Wales begeben will, findet hier Anregungen: www.visitwales.com

Die „hässliche, aber liebenswerte Stadt“ nannte Dylan Thomas Swansea, wo er die Hälfte seines kurzen Lebens verbrachte. Heute kann man sein sorgfältig restauriertes Geburtshaus besuchen. Dylan schrieb Gedichte, Essays und das preisgekrönte, weltberühmte Theaterstück „Unter dem Milchwald”. Das Dylan Thomas Centre zeigt mit Love the Words eine interaktive Dauerausstellung, die das Leben des Künstlers dokumentiert.


Swansea Bay in Wales // Foto ©  Swansea Council

Eine zeitgenössische Krimireihe mit einer walisischen Ermittlerin hat Harry Bingham mit „Fiona“ geschaffen – eine Figur, die man so schnell nicht vergisst. Fiona Griffiths liebt ihre Leichen und lebt erst so richtig auf, wenn sie es mit besonders interessanten Exemplaren zu tun hat. Fiona arbeitet und lebt in Cardiff und der Leser erfährt dadurch einiges über die Stadt im Süden Wales‘ sowie das dortige Leben. Bingham gelingt mit seiner spannenden Reihe ein moderne Krimierzählung mit Anleihen im Schaurigen und kniffligen Rätseln, wie sie auch Sherlock Holmes gefallen hätten. Bislang sind sechs Krimis der Fiona-Reihe auf Deutsch erschienen.

Ob König Artus tatsächlich Waliser war, lässt sich nicht eindeutig klären. Doch gibt es in Wales einige Orte, an denen man King Arthur nachspüren kann: www.visitwales.com


Die Aussicht vom Mount Snowdon, Wales // Foto © VisitBritain/Chris Parry/Ffestiniog Railway

Lesend kann man sich ihm unter anderem in der Trilogie „Die Artus-Chroniken“ von Bernard Cornwell nähern (Im November 2020 neu verlegt bei Rowohlt erschienen. Cornwell arbeitet nach seinem Geschichtsstudium als Journalist. Im englischen Sprachraum gibt es kaum einen populäreren Autor historischer Abenteuerromane. Königin Elizabeth II. hat Cornwell, der heute in den USA lebt, mit dem Ritterorden „Order oft he British Empire“ geehrt. In den Artus-Chroniken werden historische Fakten und Fiktion so meisterhaft miteinander verwoben, dass man die drei spannenden Romane förmlich verschlingt.

 

Schottland

Den Spuren großer schottischer Dichter wie Sir Walter Scott, der als Begründer des Geschichtsroman gilt oder Robert Burns, dessen berühmtestes Lied „Auld Lang Syne“ bis heute traditionell zum Jahreswechsel gesungen wird, kann man in Schottlands Museen folgen: und beispielsweise das einstige Anwesen Scotts besichtigen, das heute ein Museum ist. Burns wird jährlich am 25. Januar schottlandweit mit dem Burns Supper gedacht – mit Haggis und geselligem Beisammensein 

Zu den zeitgenössischen bekannten schottischen Autoren zählt Irvine Welsh. Er schreibt häufig im schottischen Dialekt. Sein Kultroman „Trainspotting“ spielt in Leith, einem Stadtteil von Edinburgh, und dreht sich unverstellt um Drogenabhängigkeit und Kriminalität. In Welshs Romanen geht es auch immer wieder um Fragen einer schottischen Identität. In vielen seiner Romane und Erzählungen, etwa in „The Acid House“, „Klebstoff“, „Porno“ oder „Crime“ treten Figuren, die aus „Trainspotting“ bekannt sind, erneut auf.


Die Altstadt von Edinburgh // Foto © VisitBritain/ Simon Winnall

Die achtbändige Romanserie „Highland-Saga“ der US-Amerikanerin Diana Gabaldon spielt in den schottischen Highlands und wurde unter dem Titel „Outlander“ verfilmt. Die Hauptfigur Claire erlebt einen Zeitsprung und landet im 18. Jahrhundert, sie führt fortan eine Art Doppelleben in ihrer Gegenwart nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Vergangenheit – in den populären Romanen es geht um Liebe, Hexerei und Schicksal. Mittlerweile bieten auch viele Reiseveranstalter „Outlander“-Rundreisen an.

Die Stadt Edinburgh ist Schauplatz von Ian Rankings Inspector-Rebus-Krimireihe, die seit 1987 erscheint. Sie ist nicht nur im Vereinigten Königreich äußerst beliebt, sondern wird in 36 Sprachen übersetzt und jeder neue Band verkauft sich rund eine halbe Million mal. Meist sind es düstere Verbrechen, die sich wie ein Geflecht durch die Gesellschaft ziehen. Allerdings erfährt man durch die Bücher auch sehr viel über die Schönheit und die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die eine wichtige Hauptrolle in den Krimis einnimmt. Mehr zu den Romanen: www.ian-rankin.de

Entdecken Sie weitere schottische Autoren in diesem E-Book: https://ebooks.visitscotland.com/scottish-literature/contents/