Besuchen Sie die umweltfreundlichsten Attraktionen Großbritanniens mit dem Zug

"Bei jedem Spaziergang in der Natur erhält man weit mehr, als man sucht", wusste schon der schottische Pionier und Nationalpark-Gründer John Muir. Und mit großer Wahrscheinlichkeit würden die meisten seiner Landsleute zustimmen. Es reicht tatsächlich schon ein Spaziergang auf dem Land, um die unsterbliche Liebe der Briten zur Natur nachempfinden zu können. Viel unternimmt man hier, um Naturräume zu schützen, erhalten und zu genießen – vom bescheidensten Garten bis hin zu den atemberaubenden Nationalparks. 

Im ganzen Land sind in den vergangenen Jahren einige interessante Umwelt-Projekte entstanden, die in spannender Weise aufzeigen, wie das Schicksal der Menschen mit der Natur verbunden ist – eine ideale Ergänzung zu den unverwüstlichen Naturattraktionen wie etwa den weißen Klippen von Dover. Lesen Sie hier eine Auswahl der interessantesten Orte, inklusive Informationen, wie man sie am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht.

Les campanules aux jardins botaniques royaux de Kew, Londres.

Knepp Wildland, Sussex (England)

Diese Gegend bringt den idealen Stoff zur Verfilmung: Ein moderner Aristokrat mit Adelslinie bis zurück ins 15. Jahrhundert erbt ein Stück Land inklusive Herrenhaus in Sussex, etwa sechzig Kilometer von London entfernt. Als seine Familie feststellt, dass die konventionelle Viehzucht hier kaum noch Gewinn abwirft, beschließt sie, das traditionelle System der Großväter zu revolutionieren: Stattdessen schufen die Burrels hier eine wilde Umgebung, in der die Natur den Ton angibt. Heute - gut 20 Jahre später – erlebt man hier einen Ort, der sich fundamental von dem damaligen Erbstück unterscheidet.

Isabella Tree ist Schriftstellerin und Ehefrau des Erben. In ihrem Buch Wilding beschreibt sie diese Transformation und das Abenteuer des Paradigmenwechsels. Eindrucksvoll schildert sie, wie entsetzt die Nachbarn waren, als aus dem konventionell bewirtschafteten Hof mit der Zeit ein wild wucherndes und vernachlässigt wirkendes Gebiet wurde. Tatsächlich holte sich Mutter Natur in gewisser Weise zurück, was ihr rechtmäßig gehörte. Heute sieht man hier seltene Vögel, wie etwa Turteltauben, die in die Region zurückgekehrt sind. Vögel, die man früher vielerorts erblickte, deren Bestand jedoch seit 1994 um 93 % geschrumpft ist. Knepp Wildland bietet aber nicht nur Lebensraum für eine große Artenvielfalt, hier kann man zudem Wildtiere beobachten.

Vor Ort gibt es verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten wie Glamping und Camping. Entscheiden Sie, was Sie hier suchen: Egal, ob es ein romantisches Wochenende zu zweit oder eine ruhige Auszeit mit einem guten Buch sein soll - ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Tauchen Sie ein in die reiche Tierwelt und erkunden die mehr als 1.400 Hektar große Fläche auf einer Safari.

Die weißen Klippen von Dover (England)

Les falaises blanches de Douvres, Angleterre.

Diese Naturattraktion zählt zu den ikonischsten Landschaften des Landes: Beeindruckende weiße Kreidefelsen vor tiefblauem Meer – das könnten selbst Künstler auf einer Leinwand nicht besser treffen. Hier bei den weißen Klippen von Dover sieht man den Ärmelkanal sowie die nahegelegene französische Küste aus nächster Nähe – und bekommt einen guten Eindruck der tatsächlichen Entfernung zwischen dem Vereinigten Königreich und dem europäischen Festland. Am besten erleben Sie die Klippen zu Fuß. Eine Klippenwanderung schärft die Sinne und bietet herrlichen Ausblick, begleitet von einer sanften Meeresbrise.

Auch ein Spaziergang zum Leuchtturm South Foreland lohnt sich. Es geht vorbei am Hafen von Dover, dem verkehrsreichsten Passagierhafen der Welt. Seit dem 14. Jahrhundert steht hier ein Leuchtturm. Das aktuelle Gebäude datiert zurück ins 19. Jahrhundert, ins Viktorianische Zeitalter. Für Naschkatzen und Traditionsliebhaber gibt es hier eine besondere Belohnung: Im Mrs Knott’s Tea Room serviert man hausgemachte britische Köstlichkeiten, wie etwa Scones, Marmelade oder das berühmte Victoria-Sandwich. Der Tee wird in verschiedenen Motivtassen aus Porzellan gereicht und ein Plattenspieler aus den fünfziger Jahren unterstreicht den Vintage-Charme des Cafés. Hier finden Sie eine Karte mit der Routenbeschreibung (Gehzeit hin und zurück, weniger als zwei Stunden).

Der einfachste Weg hierher startet am Bahnhof Dover Priory. Von London St. Pancras dauert es nur etwas mehr als eine Stunde.

Das Eden Project, Cornwall (England)

Le projet Eden, Cornouailles, Angleterre.

Wie kann die Natur den Menschen unterstützen? Und wie das Leben auf der Erde so verbunden sein, als wäre es ein riesiges Spinnennetz?  Die Antwort auf diese und viele andere Fragen finden Sie an jenem Ort: dem Eden Project. Eine Gruppe von Freunden hat vor etwa zwanzig Jahren diese gemeinnützige Institution gegründet und im westlichsten Zipfel des Landes, der Grafschaft Cornwall, auf einer stillgelegten Tongrube errichtet. Es gibt weder Stockwerke noch Böden.  Seit seiner Gründung wuchs das Projekt Jahr für Jahr exponentiell – heute findet man hier eine universelle Gartenanlage, die tausende Besucher jährlich anzieht und ein hervorragendes Beispiel für die Interaktion zwischen Mensch und Natur darstellt.

Unter den ikonischen, geodätischen Kuppeln der so genannten Biome findet man Gewächshäuser mit unterschiedlichsten ökologischen Vegetationsgemeinschaften. Sehen Sie hier die perfekte Verbindung zweier Welten und lassen Sie sich beeindrucken von den Anstrengungen des Eden Projects unseren Planeten zu fördern – Hand in Hand mit der Natur zu unser aller Besten. Erlebt man in einem Biom beispielsweise ein mediterranes Ökosystem, so überrascht das nächste mit einer Dschungellandschaft mit mehr als 1.000 Pflanzenarten und einem Wasserfall - übrigens der größte Indoor-Wasserfall der Welt.

Das Projekt bietet auch Raum für Kultur: In den wärmeren Monaten des Jahres kann man Sommerkonzerten (The Eden Sessions) lauschen. Das ganze Jahr über begeistern Ausstellungen sowohl junger aufstrebender, wie renommierter Künstler. Außerdem erlebt man hier Performancekunst, Installationen und Storytelling-Sessions.

Der nächstgelegene Bahnhof heißt St Austell. Von hier fahren Busse zum Eden Project (vor allem die Linie D5). Es empfiehlt sich, Tickets bereits vor der Reiseplanung zu buchen. 

Royal Botanic Gardens in Kew, London (England)

Jardins botaniques royaux de Kew, Londres, Angleterre.

Dieses botanische Paradies liegt im Südwesten Londons und kann leicht mit der U-Bahn über die gleichnamige Station “Kew Gardens” erreicht werden. Hier bieten sich alle Voraussetzungen, um einen perfekten Tag in der Natur zu verbringen - ohne die Stadt zu verlassen.

Die Royal Botanic Gardens in Kew zählen zu den Orten mit größter Artenvielfalt weltweit. Hier sehen Sie fleischfressende Pflanzen, einen japanischen Garten, in dem man die Welt vergessen kann, mehr als 14.000 Bäume und einen fabelhaften Küchengarten mit Obst und Gemüse. Lernen Sie hier etwa mehr über die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln und erfahren wissenschaftliche Fakten zu dieser unglaublichen Pflanzensammlung…Die Möglichkeiten sind so vielfältig, wie das 120 Hektar große Gelände.

In den Kew Gardens heißt es nicht nur genießen, es gibt auch unzählige Möglichkeiten zu jeder Jahreszeit spektakuläre Fotos zu machen – ideal etwa für Social Media-Fans. Versuchen Sie mal Ihre Follower zu verwirren! Wie? Zum Beispiel, indem Sie sich zwischen den kalifornischen Mammutbäumen verstecken oder mit einer der mehr als 1.500 einheimischen Pflanzenarten posieren, die im größten viktorianischen Gewächshaus der Welt, dem  Temperate House, wachsen. In Kew können Sie viel erleben: Die Gartenanlage entführt in ferne Länder und zeigt an einem einzigen Ort den Pflanzen- und Baumreichtum unserer Erde. Allein aus diesem Grund lohnt sich ein Besuch.   

Findhorn (Schottland)

Findhorn, Écosse.

Dieses reizvolle Fischerdorf liegt im Nordosten Schottlands in etwa 45 Kilometer Entfernung von Inverness. Findhorn ist ein Ort, an dem Mensch, Natur und Kultur zusammentreffen, gleichwohl ist er die Geburtsstätte der gemeinnützigen Findhorn Foundation. Aus dem progressiven Geist der 1970er-Jahre entstanden, widmet sich die Organisation in erster Linie Bildungsprogrammen. Zudem gibt es ein Ökodorf, das ganz im Einklang mit der Natur entstanden ist. Besuchen Sie das Dorf oder buchen Sie gleich eine Erfahrungswoche . Die Grundregeln lauten: Hören Sie nur auf Ihre innere Stimme, arbeiten Sie gemeinsam mit der Natur und stecken Sie Herzblut in Ihre Arbeit.

Der nächstgelegene Bahnhof heißt Forres. Von dort geht es mit der Buslinie 31 direkt dorthin. Allerdings müssen Sie dem Fahrer sagen, dass er anhält. 

03 Nov 2021(last updated)

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