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Imbiss 2.0

Streetfood hat sich zu einem der größten Gastro-Trends Englands entwickelt. Wir erklären, warum die Imbisskultur 2.0 so populär ist und auch langfristig Zukunft hat.


©Jessie Leong

Als Kind in Nordengland bedeutete Streetfood für mich ein Eis oder eine Tüte Pommes vom Imbisswagen. Mit viel Glück war auch mal ein Burger im Angebot, von dem das Fett in die darum gewickelte Serviette triefte. Heute ist Streetfood in England etwas ganz anderes. In weniger als einem Jahrzehnt ist aus dem einstigen Imbisssnack Gourmetkost aus aller Welt geworden. Probieren Sie auf einem Streetfoodmarkt asiatische Dampfbrötchen, vegane Tacos oder Louisiana Chicken – serviert aus allerlei Fahrzeugen, vom alten VW-Bus bis zum gigantischen Ghettoblaster (ja, du bist gemeint, Hip Hop Chip Shop).

Der Trend hat Fahrt aufgenommen, seit er Ende der Nullerjahre die britische Hauptstadt erreichte. Heute ist eine riesige Flotte Foodtrucks unterwegs und versorgt Gäste auf angesagten Märkten, Festivals und an ausgesuchten Standorten im ganzen Land mit Leckerbissen. In Großbritannien setzt die Streetfood-Szene pro Jahr über 600 Mio. Pfund um, und der Markt wächst noch immer jährlich um 20 %. Kein Wunder, dass auch andere Städte auf den Streetfood-Zug aufgesprungen sind – einige der besten Streetfood-Märkte und -Events befinden sich mittlerweile außerhalb Londons.


© Jessie Leong

Trinity Kitchen im Trinity Shopping Center in Leeds etwa bietet alle sechs Wochen fünf neue Foodtrucks. Die nordenglische Stadt ist zudem Veranstaltungsort des unabhängigen Festivals Leeds Indie Food (in diesem Jahr vom 11.-28. Mai).

Auch Birmingham hat seinen ersten permanenten Streetfood-Standort, No21 Digbeth, der Ende Januar eingeweiht wurde und erweitert das Angebot von Hawker Yard and Digbeth Dining Club – letzterer gilt übrigens als Keimzelle des Streetfood-Trends in den Midlands. Bei so viel Wachstum ist Streetfood eine nationale Erfolgsgeschichte. Aber woher stammt diese Beliebtheit? Preise sind sicherlich ein Faktor. Das Angebot am Straßenrand ist dank geringerer Neben- und Personalkosten günstiger als eine Mahlzeit im Restaurant. Gleichzeitig ist die Qualität des Angebots hoch, da lokale Produkte verwendet werden. „Die meisten meiner Zutaten stammen vom örtlichen Großmarkt und hiesigen Fleischern. Auch wenn man am Straßenrand verkauft, sind gute Zutaten wichtig“, so Lee Desanges, Eigentümer von Baked in Brick in Birmingham, dem Gesamtsieger der British Street Food Awards 2016. Desanges bietet seinen Kunden BBQ-Chicken-Tikka-Wraps und im Holzofen gebackene Pizza nach neapolitanischer Art aus einem umgebauten Mini Cooper heraus an. Ein ungewöhnlicher Anblick, aber ein Blickfang scheint unverzichtbar. Denn in diesem Geschäft sind die Fahrzeuge fast genauso wichtig wie das Essen. „Die Kunden kaufen zunächst mit den Augen – sie wünschen sich ein bisschen Show zu ihrem Essen. Das ist das Schöne an Streetfood – du kannst ausdrücken, wer du bist, und dem sind keine Grenzen gesetzt.“

Streetfood ist eine trendige und erschwinglichere Art, Essen zu gehen. Die jüngst immer populärer werdenden Supper Clubs und Pop-up-Restaurants sind ein Zeichen dafür, dass die Mehrheit genau das will. „Mit Craft Beer, Feuerstellen und Wimpelketten haben wir das Essen, Trinken und Ausgehen revolutioniert. Mit Streetfood können wir vielerorts ansprechenderes Essen anbieten und so mit Mahlzeiten in Restaurant-Qualität zu Imbisspreisen Teile Großbritanniens zurückerobern“, so Journalist Richard Johnson, Gründer der British Street Food Awards 2009. „Für ein Land, dass kulinarisch vom Rest Europas belächelt wurde, macht mich das sehr stolz.“


© British Street Food