Familienurlaub in Wales

Wir suchen Abenteuer und Natur.  Familienurlaub in Wales? Aber ja! Der Schauplatz: Eine 10m²-Hütte am Fuße des Nationalparks Snowdonia ohne Strom, TV, Handy- oder Internetempfang. Die Akteure: Eine vierköpfige Familie aus der Großstadt mit zwei Jungs im Grundschul- und Kindergartenalter.

 

Abenteuer 1: Die Reisevorbereitung

Schon die Reiseplanung ist abenteuerlich: Unaussprechliche Ortsnamen versetzen uns zurück in Schulzeiten, in denen wir Buchstabe für Buchstabe aneinander zu reihen lernten. Gut, dass wir heute das Internet zur Reiseplanung nutzen können. Unser Umfeld erfreut uns unterdessen mit Unkenrufen zu schlechtem Wetter und letztlich macht uns auch die Unterkunftssuche zunächst alles andere als glücklich: Wir wollen grüne Landschaften und wilde Natur erleben;  Hotels und Holiday Parks fallen also flach. Wales wäre aber nicht Wales, gäbe es hier nicht eine Vielzahl ungewöhnlicher naturnaher Unterkünfte: Vom Glamping über Baumhäuser und Fässern bis hin zu Nomadenzelten gibt es z.B. bei www.canopyandstars.co.uk. Wir entscheiden uns für ein so genanntes Pod: Übersetzt bedeutet das so viel wie Gondel - und ist eine recht komfortable Hütte inmitten einsamer Natur, der Betreiber ist http://www.beudybanc.co.uk/.


Wanderparadies Wales

Abenteuer 2: Ankunft in der Einsamkeit

Anfang August starten wir unseren Podding-Trip. Start ist der Flughafen Manchester, wo wir unseren Mietwagen abholen. Je näher wir dem Ziel kommen, umso enger und kurviger werden die Straßen. Die pittoresken Dörfer entlang des Weges bestehen aus uralten Stein-Cottages und erinnern an Rosamunde-Pilcher-Szenarien. Überall flattert die Landesflagge mit ihrem roten Drachen. Dieser begeistert vor allem die beiden Jungs, die sich voller Aufregung jetzt im Drachenland wähnen und Ausschau halten nach feuerspukenden Wesen. Selten haben wir Erwachsene eine so entspannte Autofahrt erlebt! Ein Feldweg führt uns schließlich zur Farm unserer, doch recht unkonventionellen, Gastgeber. Statt eines Check-In gibt’s nur die Anweisung den Berg hinauf zu fahren. Die letzte Hütte vorm Wald sei unsere. Das tun wir – vorbei an frei grasenden Schafen erreichen wir unser Pod. Der erste Eindruck: Genial! Die Hütte liegt inmitten wilder Natur, umgeben von Wald, Schafen und einem Bach.

 

Abenteuer 3: Podding

Vor dem Haus befindet sich eine Terrasse samt Lagerfeuerplatz. Die Hütte ist mit vielen liebevollen Accessoires im Shabby Chic ausgestattet. Stylisches Highlight sind die Dielen, die in ihrem früheren Leben einmal in den BBC-Studios in Manchester zu sehen waren! Geschlafen wird im Hochbett über der Küche, zu erreichen über eine Sprossenleiter. Die Küche besteht aus einem Gaskochfeld – und einer Kühlbox! Auch ein Bad im Miniaturformat hat unser Pod samt Dusche mit fließendem Warmwasser. Highlight für die Kids: Die Kompost-Toilette! Statt mit Wasser „spült“ man hier mit einer Tasse Kleintierstreu. Solar-Panele am Dach erzeugen Licht, geheizt wird mit einem Holzofen. Das Beste ist jedoch die Nähe zur Natur: Morgens wecken uns die Schafe und für die Jungs gibt es nichts Schöneres als frei über die Felder zu laufen,  sich im Schafe fangen zu üben, auf einer Tarzan- Schaukel über den Bach zu hüpfen, Lagerfeuer zu machen und auf Stöcken Würstchen zu grillen. Glückliche Kinder – glückliche Eltern!


Glamping in Wales

Abenteuer 4: Hiking & Biking

Direkt hinter unserem Pod führt der National Trail „glyndw’rs way“ entlang. Den wollen wir erkunden: Vom Gastgeber gibt es eine gemalte Landkarte, die eher einer Schatzkarte gleicht. Die sonst lauffaulen Jungs gehen ohne Murren, identifizieren wirklich jeden Baum und jede Steinmauer auf der Karte und finden uns schnell den Weg entlang des Trails durch Wälder und Wiesen. Gute 10 Kilometer laufen wir hügelaufwärts, hügelabwärts und sehen: keine einzige Menschenseele! Dafür gibt’s Schafe ohne Ende und einen gigantischen Fernblick in die Hügellandschaft. So haben wir uns Wales vorgestellt! Die hügelige Region ist mit zahlreichen Routen übrigens auch für Mountainbiker interessant. Einen Radverleih gibt es im fünf Kilometer entfernten Macchynlleth oder „Mach“, wie die Bewohner ihre Kleinstadt liebevoll nennen. Hier findet man auch wieder Zivilisation mit hübschen Pubs, Restaurants und Supermärkten.


Wanderwege in Wales

Abenteuer 5: Wir lernen, wie man nachhaltig lebt

Nur wenige Meilen von Mach entfernt, besuchen wir eine Attraktion, die weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt ist: Das Centre of Alternative Technology – kurz CAT – widmet sich auf unterhaltsame und kinderfreundliche Art dem Thema Nachhaltigkeit. Zur Begrüßung bringt uns ein mit Wasserkraft betriebener gläserner Aufzug auf den Berg: Hier wandern wir durch eine kurzweilige Ausstellung über Solarenergie und Windkraft. Wir lernen, wie und was man richtig kompostiert, bewundern ein Wohnmobil aus CDs und haben ein wenig Angst, als wir die dunkle Untergrundhöhle von Megan, dem Maulwurf, betreten. Fazit: Inspiration für Erwachsene und jede Menge Spaß für Kinder. Denn hier darf und soll ausprobiert werden. Für die Kleinen gibt’s einen Holzspielplatz zum Toben und für die Großen WLAN-Empfang. Endlich!

 

Abenteuer 6: Landschaftliche Kontraste

Während wir uns im Pod richtig alpin fühlen, erreichen wir in nur 20 Autominuten einige der schönsten Küstenabschnitte Wales: In Aberdyfi etwa begeistert uns der kilometerlange Strand mit feinstem, weißen Sand und windgeschützten Dünen. Hier kann man bestens relaxen, picknicken, spazieren, Sandburgen bauen oder Muscheln suchen. Einige Einheimische schwimmen sogar im doch recht frischen Atlantik. Surfen, Windsurfen und Kitesurfen geht dank der steifen Brise bestens und Aberdyfi selbst ist ein hübsches Seaside-Resort mit Fish&Chips-Läden, Souvenirshops, Pubs und Eisdielen. Die kontrastreiche Landschaft erlebt man übrigens eindrucksvoll auf der historischen Eisenbahnstrecke „Talyllyn Railway“, die nur wenige Meilen entfernt in der Ortschaft Tywyn startet. Die Dampflokomotiven und Personenwagen aus dem 19. Jahrhundert fahren von März bis Oktober durch die rauen Landschaften Snowdonias. Mehr Details gibt es auf http://www.greatlittletrainsofwales.co.uk/.


Aberdyfi in Wales

Fazit:  

Allen Warnungen zum Trotz, hatten wir kein schlechtes Wetter und haben genau das erlebt, was wir uns gewünscht haben: Abenteuer und fantastische Natur, gemeinsame Lagerfeuerabende, superfreundliche Menschen und zufriedene Kinder. Und mit 80 GBP pro Nacht für eine vierköpfige Familie war unser Glampingaufenthalt in Wales auch noch erfreulich für die Familienkasse.

Und hier geht es direkt zu unserer Hütte: https://www.canopyandstars.co.uk/britain/wales/powys/beudy-banc/caban-cader