Glasgow – ein urbanes Juwel im Einklang mit der Natur

Sie ist wie ein Freund, der dich nie im Stich lässt – so lässt sich Schottlands zweitwichtigste Stadt treffend beschreiben. Tatsächlich hat Glasgow für so gut wie jeden Geschmack ein Highlight: Wer der Kultur wegen kommt, findet hier reichlich. Wer Historie und kulturelles Erbe erkunden möchte, der ist hier ebenfalls goldrichtig. Und wen es nach mehr Natur und weniger Asphalt sehnt, den begeistern unberührte Landschaften in atemberaubender Schönheit – und das weniger als eine Autostunde entfernt. All das ist Glasgow, umgeben von üppigen, grünen Flächen. Entdecken Sie selbst! 

Zahlen lügen nicht! Schon gar nicht, wenn es um die grüne Seele Glasgows geht. 22 % der Stadt – und das entspricht 18.000 Hektar Fläche – steht unter Naturschutz und dient der biologischen Artenvielfalt. Sicherlich hatte die Stadt ihre Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert, als es an den Häfen von Glasgow nur so wimmelte. Doch heute ist aus der Asche eine moderne Metropole hervorgestiegen, voller Leben und grüner als je zuvor.  

Wie fängt man also einen Tag in Glasgow am besten an? Auf die nachhaltigste Art und Weise, die es nur gibt: nämlich zu Fuß! Wer eine Stadt und deren Bewohner so richtig verstehen möchte, sollte in die Vergangenheit schnuppern. Es lohnt sich etwa im Tenement House vorbeizuschauen. Das Museum liegt im West End und zeigt das Leben der Glasgower Bürger zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Einst gehörte es der schon damals emanzipierten Miss Agnes Towar. Hier kann man Alltagsgegenstände bewundern, zum Beispiel ein fast hundert Jahre altes Marmeladenglas oder ein mit Kohle befeuerter Küchenherd.

Zeit für einen Brunch? Dann empfiehlt sich das Ocho Café am Kanalufer in Speirs Wharf. Hier werden nicht nur kreative, sondern auch äußerst fotogene Gerichte serviert. Man wählt aus vielen vegane Gerichten, die mit lokalen Zutaten zubereitet werden.

Entlang dieser Route gibt es einige spektakuläre Bauwerke zu bestaunen – darunter etwa die Universität von Glasgow und das Kelvingrove Art Gallery and Museum. Letzteres verzeichnet die höchsten Besucherzahlen im gesamten Vereinigten Königreich (Ausnahme London) und ist ein echtes architektonisches Juwel. Sir John W. Simpson hat das Gebäude 1901 im viktorianischen Stil speziell für Ausstellungen entworfen. Heute umfasst die Kunstsammlung mehr als 8.000 Objekte in 22 Sälen – darunter Werke international renommierter Künstler wie Dalí, Renoir, Monet oder Rembrandt. Man sieht aber auch Arbeiten lokaler Initiativen, wie etwa der Glasgow Boys. Die Gruppe junger Künstler zählt zu den Vorreitern der modernen schottischen Kunst. Am Haupteingang wartet zudem ein beliebtes Fotomotiv: Das berühmteste Musikinstrument der Stadt ist eine historische Pfeifenorgel, auf der jeden Tag Konzerte gespielt werden. 2015 erreichte die Orgel sogar Weltrekordstatus mit über 3.000 gespielten Konzerten. 

 Floating Heads Installation by Sophie Cave at the Kelvingrove Art Gallery and Museum, Glasgow, Scotland.

Es ist gar nicht schwer, in Glasgow eine Verschnaufpause einzulegen, ohne den Respekt vor der Umwelt zu verlieren. Ganz besonders naturnah speist man etwa im Restaurant The Gannet, das nur zehn Gehminuten vom Museum entfernt liegt. Die Speisekarte zählt zu den besten und nachhaltigsten Menüs der Stadt. Ein hervorragender Ort also, um die schottische Küche auszutesten. Aal, Rindfleisch, Wild vom Rothirsch aus den Highlands, Sauerteigbrot mit hausgemachter Butter, Käse von der Isle of Mull, geangelte Makrelen, eingelegte Heringe und geräucherte Muscheln sind nur ein paar wenige Highlights regionaler Kochkunst. Sowohl die konventionellen als auch die vegetarischen Degustationsmenüs bereitet man ausschließlich mit saisonalen Zutaten zu – eine Hommage an die nachhaltig produzierenden Landwirte und Anbieter der Region.

Von hier aus ist es ein Katzensprung zum beeindruckenden Hauptgebäude der Universität. Der britische Architekt Sir Gilbert Scott, ein führender Vertreter der englischen Gotik, hat das Bauwerk im klassizistischen Stil entworfen. Darüber hinaus gibt es in der Stadt ein Opernhaus, eine Ballettkompanie sowie das National Theatre of Scotland – ein wahres Paradies also für Kulturfreunde. Wer Panoramaausblicke liebt, der sollte dem alten viktorianischen Friedhof Necropolis einen Besuch abstatten. In direkter Nachbarschaft der berühmten gotischen Kathedrale hat man hier besten Blick auf interessante Skulpturen.

Schritt für Schritt hat sich Glasgow im 20. Jahrhundert zum Kunstzentrum des Vereinigten Königreichs entwickelt. Viele junge Kreative haben in den vergangenen Jahren London den Rücken gekehrt und sich in der schottischen Stadt niedergelassen. Den Künstlergeist spürt man bei einem Spaziergang an allen Ecken und Enden und zweifelsohne trägt er auch dazu bei, die Stadt nachhaltiger zu gestalten. Schon heute gilt Glasgow als eine der grünsten Städte Europas.

 Three men walking down Ashton Lane, Glasgow, Scotland.

Tatsächlich forciert auch die hiesige Stadtverwaltung das Engagement für Natur im Rahmen der strategischen Stadtentwicklung. Aktuell steht etwa die fußgängerfreundliche Umgestaltung der Straßen im Stadtzentrum ebenso wie die Begrünung öffentlicher Flächen auf der Agenda.

Glasgow ist Gastgeber des International Arts Festival. Während des bekannten Kunstfestivals bietet sich Gelegenheit, die Werke hunderter Künstler aus aller Herren Länder zu bestaunen. Ein weiteres Beispiel für die Kunstaffinität findet man in der hiesigen Glasgow School of Art. Sie zählt zu den renommiertesten Kunst-, Architektur- und Designschulen der Welt. Die kreativen Studenten tragen ihren Anteil an der alternativen Szene der Stadt, die in großem Maße Trendsetter anzieht.

Glasgow Mural Trail, un sentier pédestre consacré à l'art de rue de la ville.

Ein weiteres Muss für Kunstliebhaber sind die Wandmalereien entlang des Glasgow Mural Trail. Das Streetart-Projekt wurde 2008 initiiert, um mehr Leben und Farbe in die Straßen der Stadt zu bringen. Eine regelmäßig aktualisierte Landkarte der Straßen-Kunstwerke ist online verfügbar. Das wohl am meisten fotografierte Wandbild Saint Mungo sorgte bei seiner Entstehung im Jahr 2016 für ordentlich Furore. Also: Nicht verpassen!

Längst vorbei sind auch die Zeiten, in denen das Zelt die einzige umweltfreundliche Unterkunftsoption war. Viele Hotels, wie etwa das Radisson Blu, nehmen heute am Green Tourism-Programm teil. Eine besonders nachhaltige Strategie verfolgt auch das Voco Grand Central: Das ikonische Hotel setzt auf die Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten und schreibt Recycling in allen Prozessen groß. So genießt man heute einen nachhaltigen Aufenthalt in Glasgow.  

 

Tagesausflüge

Die wunderbare Isle of Arran liegt westlich von Glasgow und ist die größte Insel im Firth of Clyde. Ganz bequem reist man in etwa zweieinhalb Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an. Mit dem Zug geht es zunächst nach Ardrossan Harbour und von dort auf die Fähre (die Fahrzeiten finden Sie hier). Dank kilometerlanger Wander- und Fahrradwege inmitten wilder, natürlicher Küstenschönheit, ist es denkbar einfach, die Region mit gutem ökologischem Gewissen zu besuchen. Zu den bekanntesten Orten auf Arran zählt der Glenashdale-Wasserfall, den man auf einem fünf Kilometer langen Rundweg (Schwierigkeitsstufe: Mittel) erreicht. Zudem warten bei den berühmten Giants' Graves zwei neolithische Grabkammern (so genannte Steinhügel). Eine etwas entspanntere, aber mindestens ebenso fotogene Alternative bietet sich im Brodick Castle mit seinen Parkanlagen, die vom National Trust verwaltet werden.

L'Ile d'Arran en Écosse.

Vom Kajakfahren, über Canyoning bis hin zum Klettern: Die herrliche Lage der Insel ermöglicht Outdoor-Abenteuer der Extraklasse. Zum Lunch empfiehlt sich das Crofters Arran in Brodick. Das Bistro serviert regionale Spezialitäten mit lokalen Zutaten. Hier genießt man Kreationen wie Sülze mit Schweinshaxen und Essiggurken, Jakobsmuscheln mit Blumenkohlpüree oder Lammfleisch mit Apfelmus. Auch vegetarische Gerichte stehen auf der Karte.

Ein weiterer Ausflugstipp ist der Loch Lomond samt Nationalpark (Loch Lomond & The Trossachs). Die Gegend ist für ihre überwältigende landschaftliche Schönheit zu jeder Jahreszeit bekannt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man die Region einfach und klimaschonend von Glasgow aus. Nach Balloch, dem Tor zum Nationalpark, dauert es nicht einmal eine Stunde. Der Naturschutz hat an diesem magischen Ort inmitten von uralten Eichenwäldern mit Hirschbestand oberste Priorität.

Woman standing with arms raised on a rock on the shore of Loch Lomond, Scotland

Für die besten Panorama-Blicke heißt es Bergsteigen: Von den umliegenden Bergen hat man in der Vogelperspektive fantastischen Ausblick auf die typisch schottische Farbmischung aus tiefblauem Wasser und ockerfarbener Landschaft. Es gibt aber auch kleinere Berge, die mit 

einem leichten Spaziergang auf ausgezeichneten Wegen bequem zu erklimmen sind. Das 1705 gegründete The Drovers Inn zählt zu den berühmtesten Pubs in Schottland und ist eine gute Adresse zum Mittagessen. Hier warten Klassiker der schottischen Küche wie etwa Fish & Chips oder Mince and Tatties (Hackfleisch mit Kartoffelpüree). Wer lieber einheimische Meeresfrüchte probieren möchte, ist im Cattle & Creel genau richtig. Die Meeresfrüchteplatte mit Jakobsmuscheln, Krabben, Austern und Garnelen ist ein absolutes Muss.

Zu guter Letzt, lohnt sich auch das Wagnis den Loch Lomond auf dem Wasserweg zu erkunden.  Bei den zahlreichen angebotenen Bootsauflügen hat man ein noch viel intensiveres Gefühl des Eintauchens in die Landschaft – und der Duft des Sees bleibt für immer im Gedächtnis.

12 Nov 2021(last updated)

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