Künstlerisches Brighton

Die Badewanne Londons wird Brighton liebevoll genannt. Tatsächlich ist die Stadt in East Sussex viel mehr als das: Sie bietet coole Festivals, innovative Shops, angesagte Restaurants und jede Menge Exzentriker

Am Himmel kreischen ein paar Möwen und im bunten Karussell sitzen lachende Kinder. Es riecht nach Zuckerwatte. Die bunten Buden am knapp 120 Jahre alten Brighton Pier verkaufen Pommes, Eis und Lose. Von dem 50 Meter hohen Riesenrad direkt am Strand hat man einen exzellenten Ausblick über den südenglischen Badeort und bis nach Hove.

Im Wasser versuchen ein paar Stehpaddler auf ihren Boards die Balance zu halten. Wenn der Seegang stärker ist, holen die Wellenreiter ihre Bretter heraus. In der Ferne sieht man noch den alten West-Pier als bizarr wirkendes Stahlskelett – er war mehrfach abgebrannt und nachdem die neue Seebrücke errichtet worden war, hat man ihn einfach sich selbst und den Wellen überlassen. Heute ein schönes Fotomotiv!

An der Seebrücke fahren junge und ältere Leute mit Skateboards, Inlinern und Fahrrädern. Kein Wunder, dass etliche Londoner nach Brighton gezogen sind: In der 300.000-Einwohnerstadt gibt es Kultur und Kulinarik, aber eben auch den Strand und einen entspannten Lebensstil.

Zugegeben, 28 Grad und Sonnenschein ohne Pause, so wie an diesem Wochenende erleben die Bewohner auch nicht jeden Tag. Trotzdem ist das Leben hier ist lässig und kosmopolitisch.

Schon in den 1960er-Jahren zog es viele Hippies nach Brighton. In der Stadt eröffnete nicht zufällig bereits vor 30 Jahren das erste vegetarische Restaurant – lange also bevor das ein breiter Trend wurde. Heute ist hier die Dichte an Bioläden und veganen Restaurants groß. Auch die Naturkosmetikkette „The Body Shop“ wurde von einer Einheimischen gegründet. In dem kleinen Laden, den die Brightoner Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Anita Roddick 1976 eröffnete, verkaufte sie zunächst 25 Produkte. Mittlerweile gibt es die Shops überall auf der Welt.

Hippies und Hipster findet man heute im angesagten Viertel North Laine mit seinen inhabergeführte, originellen Geschäften, in denen Designermode, Schmuck, Antiquitäten und handgemachte Feinkost verkauft wird.

Das entspannte Leben im Seebad genießen auch Künstler wie Adele, die längst aus London an den Ärmelkanal gezogen ist. Und auch der spätere König Georg IV. wusste die relaxte Atmosphäre schon zu schätzen. Er ließ sich hier als junger Mann – vorgeblich wegen der guten Seeluft – nieder. Tatsächlich aber wollte er dem strengen höfischen Leben in London entfliehen.

In Brighton ließ der exzentrische Adelige im 19. Jahrhundert den pompösen Royal Pavillon errichten. Er sieht von außen aus wie ein indischer Tempel. Ein Rundgang durch die Säle des Schlosses ist wie eine kleine, exotische Weltreise, die Besucher bis heute staunen lässt. In dem Lustschloss gab Georg mehrtägige Festgelage und vergnügte sich heimlich mit seinen Geliebten. Seine andere große Leidenschaft waren Pferde, weshalb der Stall, den er für sie bauen ließ, noch größer ist als der Royal Pavillon und nicht minder prunkvoll.

Vom Royal Pavillon aus lohnt sich ein Abstecher durch die verwinkelten Gassen des Viertels The Lanes mit seinen Juwelieren, Cafés und Souvenirläden. Überhaupt lässt sich Brighton wunderbar zu Fuß erkunden. Und über kurz oder lang landet man wieder auf der King’s Road an der Strandpromenade. Hier kann man sich einfach hinsetzen und beobachten, wie die hier genannten „Brightonians“ das Leben genießen.