Was hat es mit Stonehenge und der Sommersonnenwende auf sich?

Jährlich zur Sommersonnenwende strömen die Menschen in Scharen nach Stonehenge um den Sonnenaufgang an diesem magischen Ort hautnah zu erleben. Außnahmsweise werden die Feierlichkeiten in diesem Jahr digital übertragen. English Heritage, die Organisation die für Stonehenge verantwortlich ist, wird den Sonnenaufgang am Sonntag den 21. Juni auf ihren Social Media Kanälen live streamen. So kann man den besonderen Moment in diesem Jahr von zuhause miterleben.

Mit einer Geschichte, die sich über fast fünf Jahrtausende erstreckt, bildet die mystische Stätte zusammen mit dem Steinkreis im nahe gelegenen Avebury einen Teil des 6.500 Hektar großen Stonehenge und Avebury UNESCO-Weltkulturerbes. Die Monumente faszinieren nicht nur durch ihre Beschaffenheit sondern haben auch eine große spirituelle und kulturelle Bedeutung.

Da es jedoch nur wenige Beweise dafür gibt, wie sie dorthin gelangt ist oder warum sie überhaupt gebaut wurde, hat der riesige Steinkomplex eine Reihe höchst kreativer Theorien angespornt. Von Außerirdischen und Riesen, die an seinem Bau beteiligt gewesen sein sollen, bis zur Nutzung als Begräbnisstätte ist seine Vergangenheit voller Geheimnisse. 

In die Geschichte eintauchen

Stonehenge at sunrise. A Neolithic monument in Wiltshire.

Es gilt als sicher, dass der Bau nicht auf einmal stattgefunden hat. Das erste Bauwerk wurde vor etwa 5.000 Jahren an diesem Ort errichtet; der kreisförmige Erdwall mit dem Steinkreis, in der späten Jungsteinzeit - schätzungsweise um 2500 v. Chr. - hinzugefügt. Hunderte von Menschen waren am Bau beteiligt.

Die größeren Steine wiegen etwa 25 Tonnen und viele Wissenschaftler glauben, dass sie aus Steinbrüchen etwa 20 Meilen nördlich der Stätte stammen. Die kleineren Steine wurden dazwischen errichtet um einen Doppelbogen zu bilden. Ihre Herkunft wurde bis zu den Preseli Hills in Südwestwales, etwa 200 Meilen von Stonehenge entfernt, zurückverfolgt.

Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie die Steine in die Region kamen. Einige deuten darauf hin, dass neolithische Baumeister Laufrollen aus Baumstämmen formten oder dass sie die Steine auf Lastkähnen entlang der walisischen Küste und auf dem Fluss Avon transportierten. Wissenschaftler haben sich auch für die Idee eingesetzt, dass die riesigen Steine während einer der Eiszeiten von Gletschern und riesigen Eisschollen bewegt wurden. Wer davon träumt, Stonehenge zu erkunden, kann hier an einer virtuellen Tour teilnehmen.

Stonehenge und Heidentum

Der Arzt William Stukeley verband Stonehenge im 18. Jahrhundert mit den Druiden - Anhänger einer keltischen spirituellen Tradition - und der Theorie, dass die Stätte von ihnen als Tempel erbaut wurde. Obwohl es keine Beweise dafür gibt, ist die Stätte nach wie vor ein Ort von spiritueller Bedeutung, was zum Teil auch darauf zurückzuführen ist, wie die Steine sowohl zur Sommer- als auch zur Wintersonnenwende zur Sonne ausgerichtet sind.

Die Rolle der Sonne

Stonehenge is a UNESCO world heritage site, and a prehistoric ring of huge standing stones within an earthworks, on the plains in Wiltshire. Credit Andrew Pickett.

 

Für alle die sich für Astronomie interessieren, hat English Heritage ein Skyscape (eine detaillierte Darstellung des Himmels über dem ikonischen Steinkreis) erstellt.

Nachgebaute neolithische Häuser

In fünf nachgebauten Häusern aus der Jungsteinzeit - komplett mit historischen Objekten, die denen ähnlich sind, die bei Ausgrabungen in der nahe gelegenen Siedlung Durrington Walls gefunden wurden - kann man sehen, wie das Leben der Menschen in der Zeit aussah, als Stonehenge errichtet wurde. 

Wichtige Standorte in der Umgebung

Die gesamte Landschaft um Stonehenge ist reich an archäologischen Funden - mit mehr als 350 antiken Denkmälern und Grabhügeln, die bis jetzt entdeckt wurden. Zu den geborgenen Gegenständen gehören Pfeilspitzen, Streitäxte,  Geweihpickel und Feuersteine. Highlights der Artefakte in der Stonehenge-Sammlung können auf der English Heritage Website betrachtet werden.

Avebury

Der nahegelegene Steinkreis von Avebury zählt zu den größten Steinkreisen in Großbritannien und gehört auch zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stätte wurde in der Jungsteinzeit erbaut. Etwa 100 Steine bildeten den größeren Kreis, in dem zwei weitere Kreise gefunden wurden. Der Archäologe Alexander Keiller grub die Stätte in den 1930er Jahren aus. Eine Reihe der wichtigsten Funde kann man im gleichnamigen Museum in Avebury ansehen. 

Woodhenge

Ein weiterer Standort in der Nähe von Stonehenge ist Woodhenge und geht auf etwa 2300 v. Chr. zurück. Mittels Luftaufnahmen fand man heraus, dass kreisförmige Holzpfähle dort ursprünglich ein ringförmiges Gebäude an einem Grabhügel aus der Jungsteinzeit gestützt haben könnten. Markierungen zeigen nun, wo diese Pfosten aufgestellt waren. Archäologische Ausgrabungen belegen, dass die Stätte bis etwa 1800 v. Chr. in Gebrauch blieb. Spätere Beweise aus eisenzeitlicher und römischer Besiedlung in der Region deuten darauf hin, dass die Stätte eventuell auch eine Verteidigungsfunktion hatte.

Silbury Hill

Als Teil des Weltkulturerbes von Avebury und als größter künstlicher Hügel Europas ist Silbury Hill in Höhe und Ausdehnung mit den Pyramiden in Ägypten vergleichbar! Der Zweck der neolithischen Stätte, die zwischen 2470 v. Chr. und 2350 v. Chr. entstanden ist, bleibt bis heute ein Rätsel. Silbury Hill hat einen Durchmesser von etwa 160 Metern und eine Höhe von 30 Metern und man nimmt an, dass eine halbe Million Tonne Kreide und Lehm benötigt wurden um diesen Berg zu errichten!

18 Jun 2020(last updated)

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