Wandern an der Jurassic Coast

Bis zu 250 Millionen Jahre altes Gestein, beeindruckende Felsformationen, unzählige Fossilienfunde, versteinerte Wälder und sogar Fußabdrücke von Dinosauriern: Die Jurassic Coast ist ein ganz besonderer Ort. Das sieht auch die UNESCO so, und hat den 150 Kilometer langen Küstenstreifen an der südenglischen Ärmelkanal-Küste deswegen 2001 ins Weltnaturerbe aufgenommen. Als erste Landschaft in England!


Foto © Fräulein Draußen

Eine mehrtägige Wanderung auf dem Fernwanderweg South West Coast Path ist eine tolle Möglichkeit, diese geschichtsträchtige Küste ganz intensiv zu erleben. Und dabei kann man noch weitaus mehr entdecken als „nur“ Felsen und Steine. Die Küste ist landschaftlich unglaublich vielfältig, und natürlich passiert man unterwegs auch das ein oder andere typisch englische Seebad.


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Wie zum Beispiel Exmouth, das westliche „Tor“ zur Jurassic Coast, welches übrigens bestens mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Wer hier seine Wanderung startet, sieht bald schon die Geoneedle am Orcombe Point, die den offiziellen Beginn des Jurassic Coast Weltnaturerbes markiert. Nachdem man das Naturschutzgebiet und Vogelparadies am River Otter durchquert hat, erreicht man die roten Klippen von Sidmouth, die zum ältesten Gestein der Jurassic Coast gehören. Selbst das Meer schimmert hier durch das abgetragene Sediment oft rötlich, und der Kontrast zum strahlend weißen Kalkstein, auf den man etwas später in der Gegend rund um den Ort Beer trifft, ist groß.


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Zwischen Seaton und Seatown erwartet Küstenwanderer ein eher ungewöhnlicher Anblick: Das Naturschutzgebiet Undercliffs National Nature Reserve ist durch Erdrutsche entstanden und gleicht heute einem Urwald. Knorrige Bäume und dichte Farne, Orchideen und Pilze, jede Menge Insekten und Vögel wohnen in diesem weitläufigen, grünen Paradies, das erst kurz vor Lyme Regis endet. Die Strände von Lyme Regis und Charmouth sind die mitunter besten Orte an der Jurassic Coast, um sich selbst auf die Suche nach Fossilien zu begeben. Die Brandung legt hier regelmäßig neue Zeugen vergangener Zeiten frei. Und wer vom Wandern zu müde zum Suchen ist, kann sich in den zahlreichen Souvenirshops einfach den schönsten Ammoniten oder Donnerkeil (so nennt man das versteinerte Innenskelett urzeitlicher Tintenfische) aussuchen.


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Hinter Charmouth wartet schon das nächste Highlight: Golden Cap ist mit 191 Metern der höchste Punkt an der Südküste Englands und bereits von weitem sichtbar. Nur etwas niedriger, aber definitiv nicht weniger spektakulär sind die Klippen von West Bay, die Fans der britischen Krimiserie „Broadchurch“ ziemlich bekannt vorkommen dürften.


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Etwas landeinwärts schlummert , ein englisches Bilderbuchörtchen mit gut erhaltenen Steinhäusern, Überresten einer Abtei auf einem grünen Hügel, einer wunderschönen Gartenanlage (Abbotsbury Gardens) und einer Schwanenzucht (Abbotsbury Swannery). Nach ein paar gemütlichen Kilometern über grünes Farmland erreicht man von Abbotsbury aus die Fleet Lagoon, ein 13 Kilometer langes Paradies für Wasservögel und deren Beobachter. Dieser Lagune folgt der Coast Path bis nach Ferry Bridge und Weymouth.  Von hier aus umrundet der Wanderweg einmal die komplette Isle of Portland, aus deren besonderem Kalkstein berühmte Gebäude wie die Saint Paul’s Cathedral oder das British Museum in London gebaut wurden.


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Eine der tollsten Sehenswürdigkeiten, die man an der Jurassic Coast entdecken kann, ist zweifelsohne Durdle Door, die ausdrucksvolle Felsbrücke in der Brandung nahe Lulworth Cove. Aber die hohen, weitläufigen Kalksteinklippen, die diesen Abschnitt der Jurassic Coast zieren, sind mindestens genauso schön. Kurz vor Bournemouth endet nicht nur die Jurassic Coast, sondern auch der South West Coast Path. Wer die ganze Strecke gewandert ist, hat sich hier ein Pint im Pub definitiv mehr als verdient. Und wer den Küstenpfad „nur“ für einen Tagesausflug genutzt hat, natürlich auch.


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Tipps und Infos rund ums Wandern auf dem South West Coast Path

Mit 1.014 Kilometern Länge ist der South West Coast Path der längste der britischen Fernwanderwege. Er erstreckt sich von Minehead an der Nordküste Somersets bis zum South Haven Point in Dorset und verläuft dabei oft sehr nah an der Küstenlinie. Der Weg ist durchgehend gut markiert und meistens gut ausgebaut, es gibt jedoch immer wieder auch steinige oder rutschige Passagen. Die größte Schwierigkeit auf dem South West Coast Path sind wohl die vielen und teils steilen Auf- und Abstiege, die man nicht unterschätzen darf. Außerdem sollte man unbedingt Warnhinweise und Absperrungen befolgen und den Weg nicht verlassen, um näher an die Klippen zu kommen: Die Küste ist stetig im Wandel und es gibt immer wieder Abbrüche und Erdrutsche. Theoretisch kann man den South West Coast Path ganzjährig bewandern, in der Nebensaison muss man aber damit rechnen, dass viele Unterkünfte und Einkehrmöglichkeiten geschlossen haben. Dafür hat man dann den Weg aber auch oft für sich allein. Für die komplette Jurassic Coast muss man etwa neun Tagesetappen einplanen. Viele praktische Infos und Reisevorschläge zum Weg gibt es (auch auf Deutsch) auf der Webseite der South West Coast Path Association.


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Die Autorin Kathrin Heckmann liebt das Draußensein – ob Fernwandern, Trailrunning oder Radfahren. Vor einigen Jahren ist sie 1.500 Kilometer längs durch Großbritannien gewandert. Auf ihrem Blog fraeulein-draussen.de berichtet sie von diesem und vielen anderen Outdoor-Abenteuern. Und vor kurzem ist ihr erstes Buch beim Ullstein Verlag erschienen: Fräulein Draußen: Wie ich unterwegs das Große in den kleinen Dingen fand.