North Coast 500

Auf die wilde Tour – Die North Coast 500 führt dorthin, wo Schottland am ursprünglichsten ist 

Die Rundtour North Coast 500 führt in den landschaftlich spektakulären Norden Schottlands und damit auch an die äußersten Ränder des Vereinigten Königreichs. Die Panoramaroute soll die schottische Antwort auf die Route 66 sein. Tatsächlich hat die North Coast 500 sogar noch mehr zu bieten als ihr amerikanisches Vorbild: Neben Weite und Einsamkeit können Besucher auf diesem Roadtrip auch auf uralten Spuren der Menschheitsgeschichte wandeln.

Ein guter Ausgangspunkt der 500-Meilen-Tour ist Inverness, die Hauptstadt der schottischen Highlands. Von hier kann man die Küstenrundtour entweder im Uhrzeigersinn oder entgegengesetzt fahren.

Grandiose Berge und tiefblaue Seen 

Von Inverness im Osten mit seinen knapp 50 000 Einwohnern geht die Fahrt los Richtung Westen an die Atlantikküste zur Halbinsel Applecross. Wer keine Höhenangst hat, kann den schmalen, historischen Bergpass Bealach Na Bà, einen einstigen Viehtrack, der grandiose Ausblicke ins Tal und zum Loch Kishon bietet, hochfahren.

Wandertipp: Mit etwas Ausdauer und Fitness kann man den Beinn Bhan nördlich des Loch Kishon erklimmen, mit knapp 900 Metern ist er der höchste Berg der Halbinsel Applecross.

Essen und Trinken: Kishorn Seafood Bar in Kishorn 

Weiter geht es schließlich Richtung Norden nach Torridon. Das kleine Dorf ist ein perfekter Ausgangspunkt für Wanderungen in die Berge rundherum wie Liathach, Bein  Eighe oder Beinn Alligin – sie zählen zu den schönsten der britischen Inseln. Und selbst wer nicht wandern möchte, wird auf der Fahrt mit grandiosen Ausblicken auf Berge und den tiefblauen Loch Torridon belohnt.


Kenmore & Loch Torridon © Iain Sarjeant

Dass Schottland nicht nur beeindruckende Berge, sondern auch schöne Strände zu bieten hat, beweist Mellon Udrigle. Mit den Füßen steht man im weißen Sand und schaut auf kleine Inseln, die wildromantisch zerklüftete, grüne Küste und die mächtigen Berge der Highlands.

Wer noch mehr Naturspektakel sehen will, fährt von hier nach Corrieshalloch Gorge im Naturreservat südlich von Ullapool. Es ist eine rund 60 Meter tiefe und 1,6 Kilometer lange Schlucht mit dem beeindruckenden Wasserfall Falls of Measach, den man von einer Aussichtsplattform aus ansehen kann.

Historische Funde und außergewöhnliche Kunst 

Die Strecke von Ullapool bis Durness ist eine der landschaftlich schönsten der gesamten Strecke. Hier oben ist Schottland extrem spärlich besiedelt, wild und ursprünglich. Es lohnt sich ein Abstecher zum Knockan Crag (nördlich von Ullapool) im Geopark der Nordwest Highlands mit seinen einzigartigen Felsformationen.


Quinag aus Richtung Kylesku © Iain Sarjeant

Beeindruckend sind auch die Bone Caves bei Inchnadamph, etwa 45 Minuten nördlich von Ullapool, hier wurden Teile von Eisbärschädeln gefunden, die mehr als 20 000 Jahre alt sind. Auch Skelette von Wölfen, Rentieren und Braunbären sowie Jägern fand man hier. Essen und Trinken: The Ceilidh Place in Ullapool

Der schöne Hafenort Lochinver ist definitiv einen Stopp wert. Hier gibt es viele Strände, abgelegene Buchten und Wanderwege zu entdecken. Sehenswert ist zum Beispiel der Old Man of Stoer rund 15 Kilometer nordwestlich von Lochinver, ein von wilden Wellen umtoster, 60 Meter hoher Brandungspfeiler. Hier kann man von der Küste aus mit etwas Glück sogar Robben und Delfine sehen. Der Stoer Head Leuchtturm entstand bereits 1870, heute sind darin unter anderem Ferienapartments untergebracht.

Essen und Trinken: Lochinver Larder in Lairg 


Loch Eriboll © Iain Sarjeant

Fjorde durchziehen die Landschaft 

Je weiter es nach Norden geht, desto flacher und grüner wird die Landschaft, etliche Fjorde durchschneiden die Landschaft und die Straße schlängelt sich gemütlich um sie herum. Wandern: Den entlegensten und schönsten Strand Schottlands erreicht man nur zu Fuß – die einfache Wanderung von Blairmore zum Sandwood Bay dauert hin und zurück etwa 4,5 Stunden. Der Strand ist breit und weiß – und komplett wild, Cafés oder Bistros sucht man hier vergeblich.

Kurz vor Durness sollte man sich das Sculpture Croft and Studio von Lotte Glob nicht entgehen lassen. Ihre Skulpturen und Keramikarbeiten sind außergewöhnlich und viele von ihnen stehen rund um das Studio in der Landschaft.

Durness ist ein verträumter Ort mit gerade einmal 400 Einwohnern und wunderschönen Stränden. Bekannt ist er für die nahegelegene Smoo Cave, eine geräumige Kalksteinhöhle, die wohl einst Schmugglern als Versteck diente und die schon vor mehr als 6000 Jahren von Jägern genutzt wurde.


Smoo Cave, Durness, Highland, Schottland

Wo Queen Mum sich gern aufhielt 

Den nördlichsten Punkt der britischen Hauptinsel findet man auf der Halbinsel Dunnet Head, von hier sieht man sogar bis zu den Orkneyinseln. Sehenswert ist das nahegelegene Castle of Mey. Königin Elizabeth, also Queen Mum, kaufte das Schloss Anfang der 1950er-Jahre, es war die einzige Immobilie in ihrem Privatbesitz. Sie liebte die Abgeschiedenheit hier oben und war oft dort. Heute ist das restaurierte Schloss für Besucher zugänglich, wenn sich hier nicht gerade Mitglieder der Königsfamilie aufhalten – Prinz Charles ist wenigstens einmal im Jahr hier.

Wandern: Exponiert liegt auch der Ort John O’Groats am nordöstlichen Zipfel der Hauptinsel. Ein neun Kilometer langer Wanderweg führt von John O’Groats Richtung Osten zum Duncansby Head Lighthouse und zu den massiven Felsformationen The Stacks of Duncansby.

Essen und Trinken: Flavour Ice Cream Palour in John O’Groats


Das letzte Haus in Schottland, John O'Groats, Highland, Schottland

Preisgekrönter Single Malt Whiskey 

Als nächstes liegt die Stadt Wick auf dem Weg. Früher wurden hier riesige Heringsfänge in den Hafen gebracht und weiterverkauft, heute ist es eine entspannte Stadt. Sehenswert sind die Grey Cairns of Camster, zwei große neolithische Steinhügel mit Grabkammern, die mehr als 5000 Jahre alt sind und die man sogar betreten darf – vorausgesetzt man scheut sich nicht davor, auf allen Vieren in den engen Eingang zu krabbeln.

Die Old Pulteney Distillery in Wick im Bezirk Caithness rühmt sich die nördlichste Destillerie des schottischen Festlands zu sein. Hier entstehen preisgekrönte Single Malts, die man bei einer Führung verkosten kann.


Sandside Bay © Iain Sarjeant

Nun geht es weiter die Ostküste hinab Richtung Süden. Ruinen alter Ortschaften, weite Felder und grüne, fruchtbare Ebenen sieht man hier auf der Fahrt.  Rund zwei Kilometer vor der Ortschaft Golspie steht das beeindruckende Dunrobin Castle, ein Schloss im French Château-Stil, seine Geschichte reicht zurück bis ins frühe 14. Jahrhundert. Es war Stammsitz des Clans Sutherland, einem der mächtigsten Clans überhaupt. Bis heute ist Dunrobin Castle mit seinen 189 Zimmern das größte Wohngebäude der nördlichen Highlands. Zweimal täglich findet einen Greifvogelshow statt.

Wandern: Der Big Burn Walk in Golspie führt an einem Fluss entlang durch einen verwunschen wirkenden Wald, das Ende des 2,5 Kilometer langen Weges markiert ein wunderschöner Wasserfall.

Essen und Trinken: Im Restaurants des Dunrobin Castle oder im Coffee Bothy in Golspie

Kleine Fischerdörfer

Weiter geht die Reise Richtung Süden. In der Glenmorangie Distillery in der Stadt Tain wird bereits seit 1843 Single Malt Whiskey gebrannt. Über viele Jahrzehnte waren es die legendären „16 Männer von Tain“, die dort den Whiskey machten – und bis heute sind dieser Tradition getreu 16 Männern am Brennprozess beteiligt.

Nun ist es nicht mehr weit bis Inverness, dem Ausgangspunkt der Tour. Auf dem Weg liegen viele kleine Dörfer. Es lohnt ein Abstecher ostwärts zu Fischerdörfern wie Hilton, Cadboll und Shandwick für einen letzten spektakulären Küstenblick, ehe man rund eine Autostunden später wieder Inverness erreicht.

 

Weitere Informationen, Übernachtungstipps, Tourenvorschläge usw. unter: www.northcoast500.com