Liebe, Spannung, große Dramen

Historische Stoffe, atemberaubende Landschaften und Charaktere, die man nicht so schnell vergisst: die Vielfalt Großbritanniens kann man auch in spektakulären TV- und Streaming-Serien erleben

1. Historisch: The Crown (Netflix) und Victoria (Sky)

hatfield House birds eye view

Im Zentrum dieser beiden weltweit erfolgreichen Serien stehen zwei berühmte britische Königinnen. The Crown handelt vom Leben Königin Elizabeth’ II. und setzt 1947 ein, als Elizabeth und Prinz Philip heiraten. Jede Staffel befasst sich mit einer Zeitspanne von rund zehn Jahren, dabei werden echte historische Ereignisse aufgegriffen und dramaturgisch mit Skandalen und Geheimnissen ausgeschmückt. Bis jetzt sind vier Staffeln der spannenden Serie erschienen, sechs sollen es insgesamt werden.

Jenna Coleman verkörpert Königin Victoria im Historiendrama Victoria. Die Serie, die spannend und romantisch gleichermaßen ist, wurde in Schlössern und Herrenhäusern in Yorkshire gedreht. Bislang gibt es drei Staffeln, geplant sind insgesamt sechs. Genau wie bei The Crown werden historische Ereignisse als Grundlage genommen und dramatisch zugespitzt und packend dargestellt.

Erleben: Längst sind die Drehorte wie Lancaster House in London oder Waddesdon Manor in Buckinghamshire zu Besuchermagneten geworden. Wer auf den Spuren der Film-Royals wandeln möchte, kann sich hier inspirieren lassen.

Entrance of Buckingham Place with two guards

2. Romantisch: Rosamunde Pilcher (ZDF)

Seit 30 Jahren entstehen für das ZDF mit großem Zuschauererfolg Rosamunde-Pilcher-Filme. Der ewige Star der Serie ist die englische Grafschaft Cornwall: Jede Folge beginnt mit einer Kamerafahrt aus der Vogelperspektive über die Küste Cornwalls mit ihren weißen Stränden, schroff abfallenden Felsen und schäumendem Meer, dazu sattgrüne Weiden eingefasst von alten Steinmauern, kleine Fischerdörfer, prachtvolle Herrenhäuser und Schlösser – eine perfekte Idylle. Die romantischen Geschichten der in Cornwall geborenen Autorin Rosamunde Pilcher sind die Grundlage für die Filmreihe. Oft gibt es darin einige Missverständnisse und Irrungen und am Ende finden die Richtigen zueinander – Happy Ends zum Schwelgen garantiert!

Erleben: In Cornwall hat sich längst ein echter Rosamunde-Pilcher-Tourismus aus dem deutschsprachigen Raum – wo Pilcher populärer ist als in ihrer Heimat – entwickelt. Das elisabethanische Herrenhaus Prideaux Place in Padstow etwa, das seit vielen Generationen privat bewohnt wird, war schon häufiger Drehort für Pilcher-Romanzen: Die Besitzer führen Touristen, auf einstündigen, geführten Rundgängen (etwa 8,50 Pfund, auch auf Deutsch) durch ihr Anwesen. Im hauseigenen Tearoom werden Snacks und stilechter Cream Tee angeboten. Hausherr Peter ist übrigens öfter schon in einer Nebenrolle in Pilcherfilmen zu sehen gewesen.

 

View of Padstow Harbour, Padstow, Cornwall, England.

3. Knallhart: Peaky Blinders – Gangs of Birmingham (Amazon, iTunes, Netflix)

Diese Serie ist nichts für schwache Nerven. Es geht um die brutalen Machenschaften des Shelby-Clans. Traumatisiert kehren die Brüder Tommy und Arthur Shelby aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Tommy (Cilian Murphy) beginnt damit, eine Straßengang aufzubauen: die Peaky Blinders. Opiumräusche, brutale Schlägereien, eine abgefangene Militärwaffenlieferung, manipulierte Pferderennen und ein illegales Wettbüro gehören zum Alltag – sogar Winston Churchill wird auf die Peaky Blinders aufmerksam und setzt alles daran, die Shelbys dingfest zu machen. Ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel! Die spannende Serie ist teilweise wie ein Western inszeniert mit lässiger, moderner Musik, aufwändiger Szenerie und effektvollen Zeitlupen. Eine Bande namens Peaky Blinders gab es um 1890 übrigens wirklich in Birmingham.

Erleben: Die Popularität Birminghams und der West Midlands ist durch die Serie enorm gewachsen. Viele Szenen wurden allerdings nicht in Birmingham, der zweitgrößten Stadt des Vereinigten Königreichs, gedreht, sondern in Manchester und Liverpool. Auch das Black Country Living Museum in Dudley ist ein wichtiger Serien-Schauplatz mit Wiederkennungswert, der Eintritt in das Freiluftmuseum, das von der Geschichte der Region erzählt, kostet rund 20 Pfund. In Birmingham gibt es längst Peaky-Blinders-Ale und -Spirituosen und es werden natürlich Peaky Touren  angeboten. 2019 hat das erste Peaky Blinders Festival in der Stadt stattgefunden und im Kunstviertel Custard Factory ist Ciprian Murphy als Tommy Shelby in einem 18 Meter großen Wandbild (mural) verewigt.  

The Dudley Canal, Black Country Living Museum, Dudley.

4. Verrucht: Bridgerton (Netflix)

Liebschaften, Skandale, Geheimnisse! Die Bridgertons, das sind Witwe Lady Violet, ihre vier Töchter und vier Söhne, sind eine gutsituierte Familie der Londoner High Society. Es ist das Jahr 1813 und die Ballsaison steht an. Bewertet werden die Debütantinnen von der britischen Königin. Wer gut abschneidet, hat beste Chancen auf dem Heiratsmarkt. Daphne Bridgerton ist die älteste Tochter und muss sich beeilen, einen Ehemann zu finden, wenn sie der gesellschaftlichen Norm entsprechen möchte. Schillernde Bälle, prächtige Schlösser und opulente Kleider bestimmen die Serienoptik. Erzählt wird die Handlung von Lady Whistledown, deren anonyme

Rundschreiben regelmäßig Klatsch und Tratsch verbreiten. Die Serie erinnert an „Stolz und Vorurteil“, sie wirkt aber trotz der historischen Aufmachung modern – nicht zuletzt weil die Königin und auch der als Heiratskandidat heißbegehrte Duke of Hastings schwarz sind. Die amerikanische Serie wurde für Netflix produziert und an verschiedenen Orten in England gedreht.

Erleben: Bath ist einer der wichtigsten Schauplätze. Zu sehen ist gleich zu Beginn der Serie etwa der Royal Crescent, ein beeindruckender halbmondförmiger Gebäudekomplex aus dem 18. Jahrhundert. Heute kann man hier unter anderem ein Museum besuchen (Eintritt rund 10 Pfund) oder das luxuriöse Spa des Royal Crescent Hotel . Die Außenaufnahmen für das Haus der Bridgertons entstanden in Ranger’s House , eine elegante, georgianische Villa am Greenwich Park in London. Sie beherbergt als Kunstgalerie die Wernher Collection mit fast 700 Kunstwerken aus Mittelalter und Renaissance (Eintritt ca. 10 Pfund).

members of the bridgerton crew

5. Bitterböse: After Life (Netflix)

Diese Netflixserie von und mit dem Komiker Ricky Gervais ist ein exzellentes Beispiel für den oft zitierten, rabenschwarzen, britischen Humor. In der fiktiven Stadt Tambury lebt der Lokalredakteur Tony. Er hat gerade seine Frau verloren und ist der Welt nicht wohlgesonnen. Im Gegenteil: Nettigkeiten braucht von ihm niemand mehr zu erwarten – außer vielleicht sein Hund Brandy. Die Serie ist ebenso witzig wie berührend.

Erleben: Gefilmt wurde an mehreren Orten in England. Die Lokalredaktion der Serie etwa befindet sich in Hemel Hampstead in Hertfordshire nördlich von London, die angrenzenden Geschäfte wie Pub, Café oder Antiquitätenshop, die im Film zu sehen sind, sind echte Läden vor Ort. Die Strandszene entstand in Camber Sands in East Sussex und die idyllische Straße, in der Tony lebt, befindet sich in Vale of Hearth in Hampstead in London.

Street with colourful houses in Hampstead London

6. Modern: Fleabag (Amazon Video)

Eine feministische Antiheldin, wie es sie zuvor noch nie gegeben hat: Die namenlose Protagonistin ist liebenswürdig, unsympathisch, frech und obszön zur gleichen Zeit. Ausgezeichnet wurde die Miniserie Fleabag, die aus zwei Staffeln besteht, unter anderem mit sechs Emmys. Phoebe Waller-Bridge, die das Theaterstück Fleabag geschrieben hat, ist auch die Hauptdarstellerin der Serie: eine junge Frau, deren Freundin bei einem Unfall gestorben ist. Was ihr bleibt, ist das Meerschweinchen-Café, das beide Freundinnen gemeinsam eröffnet hatten. Doch es läuft nicht gut. Sie hat Geld-, Beziehungs- und Familienprobleme. Fleabag ist eine geniale Komödie, deren Dramatik sich erst nach und nach entblättert, wobei die zweite Staffel sogar noch besser ist als die erste.

Erleben: Gefilmt wurde Fleabag in London, genauer gesagt in Dartmouth Park im beschaulichen Camden. Das dortige Bold Café  in der York Rise diente im Film als besagtes Meerschweinchen-Café, auch das Haus der Schwester in der Laurier Road ist für Fans eindeutig identifizierbar. Die „Sex-hibition” der Patentante wurde in der berühmten Tate Modern in London gefilmt. Die Kirchenszenen mit dem „hot priest“ (Andrew Scott) der zweiten Staffel entstanden in der St. Andrew’s Church in Kingsbury, eine prächtige viktorianische Kirche, die ursprünglich im Londoner West End stand, ehe sie Stein für Stein abgetragen und nummeriert wurde, um sie in nach Süd-Kingsbury zu transportieren und dort über einen Zeitraum von drei Jahren wiederaufzubauen – 1934 konnte sie dann endlich geweiht werden und wird seitdem von der Gemeinde genutzt.

Tate Modern birdseye view

 

26 Apr 2021(last updated)

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